Neue Chefärztin in der Psychosomatischen Rehaklinik und Psychiatrieklinik

Chefarzt Rehabiltiation Psychosomatik

„Man muss jedem Patienten so viele Chancen geben, wie er braucht“

Seit März verstärkt Marietta Mader das Team der Fachklinik St. Lukas. Sie ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und hier als Chefärztin für die Psychosomatische Reha und Psychiatrie tätig. Im Interview verrät sie, welche Erfahrungen sie im Berufsleben besonders geprägt haben, welche Wahrnehmung sie sich für psychische Erkrankungen wünscht und was sie an ihrem Beruf am meisten schätzt.

Frau Mader, warum sind Sie Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie geworden?
Marietta Mader: Ich habe Medizin studiert und mir diese Fachrichtung schon während des Studiums näher angeschaut: Ich habe mein Praktikumsjahr in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gemacht und meine Famulatur in der Erwachsenen-Psychiatrie. Beides hat mir sehr zugesagt. Letztlich habe ich mich für die Erwachsenen-Psychiatrie entschieden, weil es ein weiter gefasstes Fachgebiet ist. Meiner Meinung nach ist die Psychiatrie und Psychotherapie ein zukunftsträchtiges Gebiet, weil der Bedarf immer größer wird.

Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrem bisherigen Berufsleben besonders geprägt?
Marietta Mader: Hauptsächlich die Erfahrungen, die ich mit Suchtkranken gemacht habe. Mich beeindruckt, dass diese Patienten zwar oft mehrere Therapieanläufe brauchen, aber viele es letztlich doch schaffen, von der Sucht loszukommen. Das hat mir gezeigt, dass man nie aufgeben darf. Man muss jedem Patienten so viele Chancen geben, wie er braucht.
Auch hat mich geprägt, zu sehen, wie schnell sich die Patienten verbessern können. Bei psychischen Erkrankungen heißt es oft „Das ist halt so. Da lässt sich wenig machen.“ Aber gerade bei Depressionen oder Psychosen muss ich sagen, dass ich oft heute noch beeindruckt bin, wie schnell sich der Heilungsprozess einstellen kann.

Was hat Sie in die Fachklinik St. Lukas verschlagen?
Marietta Mader: Um ehrlich zu sein, kam das Angebot sehr überraschend. Die Klinik arbeitet eng mit Professor Dr. Thomas Loew, dem Leiter der Abteilung für Psychosomatik des Universitätsklinikums Regensburg, zusammen. Ich kenne ihn aus dem Studium und von verschiedenen Fort- und Weiterbildungen. Er hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, hier als Chefärztin für die Psychosomatische Reha und Psychiatrie zu arbeiten. Ich habe mir die Klinik und ihr Konzept dann näher angeschaut und war relativ schnell überzeugt (lacht).

„Zum einen habe ich viel Patientenkontakt“

Was sind Ihre Aufgaben als Chefärztin für die Psychosomatische Reha und Psychiatrie hier?
Marietta Mader: Die sind sehr breit gefächert: Zum einen habe ich viel Patientenkontakt, was ich sehr schätze: Ich mache Visiten, Aufnahme- und Abschlussuntersuchungen sowie fachärztliche Gespräche. Außerdem nehme ich an Kurvenvisiten und Patienten-Nachbesprechungen teil. Zu meiner Arbeit gehören aber auch administrative Aufgaben wie die Überarbeitung der Therapiekonzepte: Es ist mir wichtig, regelmäßig zu prüfen, welche Bereiche und Abläufe wir noch verbessern können. Insgesamt sind wir aber schon gut aufgestellt. Aktuell arbeite ich daran, wie wir unter den momentanen Hygiene-Auflagen noch mehr Patienten aufnehmen können.

„Diversität unterstützt den Heilgungsprozess“

Welche Patienten behandeln Sie hier?
Marietta Mader:
Wir haben ein sehr breites Patientenspektrum. Jeder Mensch ist verschieden, so ist das auch bei unseren Patienten. Das ist etwas sehr Schönes und Wichtiges: Durch diese Diversität können unsere Patienten viel voneinander lernen, was den Heilungsprozess begünstigt.

Menschen mit psychischen Erkrankungen werden häufig noch immer stigmatisiert. Wie erklären Sie sich das?
Marietta Mader: Das ist leider tatsächlich so. Ich denke, das ist historisch gewachsen: Früher wurden Menschen mit psychischen Erkrankungen den Städten und dem alltäglichen Leben verwiesen. Deswegen liegen bis heute viele Psychiatrien am Stadtrand und sind wie kleine Dörfer aufgebaut. Ich denke, das wirkt bis heute nach.
Dazu kommt, dass früher die Behandlungsmethoden bei psychischen Erkrankungen noch nicht so ausgereift waren. Häufig wurden Medikamente verschrieben, die zum Beispiel zu einem auffälligen Gang oder unkontrollierbaren Schmatz-Geräuschen führten. So waren Betroffene sofort zu erkennen und wurden stigmatisiert. Auch das hallt noch nach.
Dazu kommt, dass es vielen schwer fällt, psychisch Kranke einzuschätzen, weil ihnen diese Krankheitsbilder fremd sind. Und alles was uns fremd ist, lehnen wir erst einmal ab. Das liegt in der Natur des Menschen und führt dazu, dass manche sagen: „Oh, psychische Erkrankungen, damit will ich nichts zu tun haben.“

Warum ist das problematisch?
Marietta Mader: Weil einem die Diagnose einer psychischen Erkrankung ein Leben lang anhaftet. Patienten haben häufig Angst, dadurch in verschiedenen Lebensbereichen schlechter gestellt zu sein: Beispielsweise verheimlichen sie ihrem Arbeitgeber, in welcher Klinik sie behandelt wurden, weil sie sich schämen und Nachteile befürchten.
Dem können wir nur durch Aufklärung und Integration, beispielsweise durch Wiedereingliederungen, entgegenwirken. Ich denke, dass die Menschen heute im Bezug auf psychische Erkrankungen schon aufgeklärter sind als noch vor 20 oder 30 Jahren. Beispielsweise Burnout ist mittlerweile eine gesellschaftlich akzeptierte Erkrankung. Ich denke, das sind Fortschritte, aber wir stehen erst am Anfang.

„Nähe und Unterstützung durch eine Rehabilitationsmaßnahme“

Welche Wahrnehmung von psychischen Erkrankungen wünschen Sie sich?
Marietta Mader: Ich wünsche mir, dass es irgendwann keine Rolle mehr spielt, ob jemand etwas am Herzen hat, einen Unfall hatte oder eine psychische Erkrankung. Auf jedes Krankheitsbild sollte gleich viel Rücksicht genommen werden und jeder sollte eine adäquate Behandlung erhalten. Es kann nicht sein, dass eine Krankheit auf- und eine andere abgewertet wird. Gerade psychisch Erkrankte brauchen Nähe und Unterstützung durch z.B. eine Rehabilitationsmaßnahme.

Und zum Abschluss: Was schätzen Sie an Ihrem Beruf am meisten?
Marietta Mader: Zum einen die Vielfalt der Menschen, mit denen ich dabei in Kontakt komme, Patienten wie Kollegen. Zum anderen die Tatsache, dass ich mir damit meinen Traum erfüllt habe: Ich wollte Medizin studieren, das habe ich gemacht. Ich wollte in der Psychiatrie arbeiten, das mache ich jetzt. Heute mache ich genau das, was ich immer machen wollte. Ich schätze es sehr, dass ich die Möglichkeiten dazu hatte.

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