Neue Abteilung für Essstörungen

Ergotherapie - Fachklinik Sankt Lukas

Essstörungen

Für die meisten Menschen zählt Essen zu den wichtigsten Dingen im täglichen Leben. Essen ist Genuss, sorgt für Wohlbefinden und gesellschaftliches Miteinander. Und ist vor allem eins: unabdingbar für unser Überleben. Wer unter einer Essstörung leidet, hat diesen sorglosen Umgang mit dem Thema „Essen“ verloren. Viele Betroffene erleben die Nahrungsaufnahme deshalb als Zwang, Kontrollverlust oder süchtiges Verlangen. Die Gedanken kreisen ständig um das eigene Gewicht, es kommt zu unkontrollierten Essanfällen oder zur kompletten Nahrungsverweigerung. An einer Essstörung Leidende essen zudem oft heimlich, lehnen ihren eigenen Körper ab oder versuchen innere Konflikte über das Essverhalten zu lösen, was zu einem hohen Leidensdruck führt. Das Genussvermögen schwindet, soziale Kontakte brechen weg und die Leistungsfähigkeit nimmt zunehmend ab. Eine Essstörung ist daher eine ernsthafte Erkrankung, der ein komplexes psychisches Krankheitsbild zugrunde liegt. Es gibt verschiedene Arten von Essstörungen, das Ziel der Behandlung ist jedoch bei allen gleich: ein gesundes Essverhalten zu erlernen und dauerhaft beizubehalten. Individuell auf den jeweiligen Patienten abgestimmte Therapien helfen, körperliche und seelische Beschwerden zu erkennen und zu behandeln.

 

Behandlungsfelder:

Essstörungen können sich auf vielfältige Weise zeigen, allen gemeinsam ist jedoch die ständige gedankliche und emotionale Beschäftigung mit dem Thema Essen. Zu unterscheiden sind hier die Nahrungsverweigerung (Magersucht), die übermäßige Nahrungsaufnahme (Adipositas) sowie das Auftreten von Essanfällen (Bulimie oder Binge Eating).

 

  • Magersucht (Anorexie): Bei der Magersucht leiden die Betroffenen unter starkem Untergewicht. Durch Hungern, Erbrechen, übermäßig viel Sport oder Medikamente wie Abführmittel wird ein starker Gewichtsverlust hervorgerufen. Magersüchtige haben panische Angst davor zuzunehmen. Trotz Untergewicht fühlen sie sich zu dick, was einer sogenannten Körperschema-Störung zugrunde liegt. Selbst bei deutlichem Untergewicht erleben sich Betroffene selbst als normal- oder übergewichtig.

 

  • Bulimie: Die Bulimie ist die häufigste Essstörung in Deutschland. Essanfälle sind hier das Hauptmerkmal. Oft werden große Portionen heimlich und hastig verschlungen. Die Nahrung wird kaum gekaut, viele Betroffene nehmen im Verlauf der Krankheit kein Sättigungsgefühl mehr wahr. Um die aufgenommenen Kalorien wieder los zu werden, ergreifen Bulimie-Kranke im Anschluss verschiedene Maßnahmen wie Erbrechen, die Einnahme von Abführmitteln oder Appetitzüglern, das Einlegen von Hungerperioden oder üben übermäßig viel Sport aus.

 

 

  • Binge Eating Störung (BED): Ähnlich wie bei der Bulimie leiden Menschen mit einer Binge-Eating-Störung unter wiederholten Essattacken (mindestens zweimal pro Woche über die Dauer von einem halben Jahr) mit Kontrollverlust. Sie führen jedoch keine gegenregulatorischen Maßnahmen wie übermäßigen Sport, Erbrechen etc. aus. Betroffene sind daher häufig, aber nicht zwangsläufig, übergewichtig. Ohne körperlichen Hunger zu verspüren werden große Nahrungsmengen in kurzer Zeit verschlungen. Danach fühlen sich viele BED-Leidende schuldig, deprimiert oder ekeln sich vor sich selbst.

 

  • Übergewicht / (psychogene) Adipositas: medizinisch gesehen handelt es sich bei psychogener

Adipositas nicht um ein abgegrenztes Krankheitsbild, dennoch kann eine Psychotherapie hier sehr sinnvoll sein. Denn Betroffene bewältigen Einsamkeit, Trauer, Ärger oder Langeweile oft mit Essen. Kritik oder Zurückweisung werden häufig als sehr belastend erlebt und Essen als

eine Möglichkeit der Gefühlsregulation und „Ersatzbefriedigung“ gesehen.

 

  • Mischformen und andere Essstörungen: Oft weisen Betroffene auch Mischformen von verschiedenen Essstörungen auf oder lassen sich nicht in die klassische Magersucht, Bulimie, Binge-Eating-Störung oder psychogene Adipositas klassifizieren. Auch diese anderen Arten von Essstörungen sind sehr belastend für die Betroffenen und bedürfen einer therapeutischen Behandlung.

 

 

Die Ursachen und Folgen von Essstörungen:

Allen Formen der Essstörung ist gemeinsam, dass sie mit seelischen Problemen und einem niedrigen Selbstwertgefühl der Betroffenen einhergehen. Meist wird unbewusst versucht, innere Konflikte über das Essverhalten zu lösen. Die Erkrankung verläuft meist über mehrere Jahre.  Kennzeichnend für alle Essstörungen ist, dass Verhaltensänderungen verheimlicht und Interessen vernachlässigt werden. Im Verlauf der Krankheit ziehen sich die Betroffenen zudem von Familie und Freunden zurück.

Eine Essstörung wirkt sich nicht nur auf den Körper, sondern auch auf die Seele aus. In einigen Fällen leiden Betroffene beispielsweise ebenfalls an Depressionen, Ängsten oder Zwängen. Auf körperlicher Ebene kann Unterernährung zu Muskelschwund, brüchigen Knochen, Haarausfall, ausbleibender Monatsblutung oder Potenzverlust führen. Zudem kann sich ein unterernährter Körper schlechter gegen Infektionen wehren. Durch dauerhaftes Erbrechen werden Zähne und Speiseröhre geschädigt. Vor allem bei Magersucht können Essstörungen tödlich enden. Gelenkschmerzen, Bluthochdruck oder Diabetes treten häufig bei Übergewicht auf.

 

Unser Therapiekonzept:

Mehr als jede zweite Essstörung kann erfolgreich behandelt werden, deshalb sollte es niemandem unangenehm sein, wegen einer Essstörung professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Ein positiver Aspekt unserer stationären Behandlung ist es, dass die Betroffenen für einen gewissen Zeitraum aus ihrem gewohnten häuslichen Umfeld gelöst werden, damit sie Abstand von ihrem Alltag und ihrem Krankheitsbild gewinnen. Eine Atmosphäre der Geborgenheit sowie ein grundsätzliches Verständnis für die Ängste und Unsicherheiten unserer Patienten steht bei uns an erster Stelle. In einer Gemeinschaft ohne Stigmatisierung lernen die Betroffenen, ihre Essstörung loszulassen und Lösungen für die zugrunde liegenden Probleme zu finden. In der Gruppe wird oft erkannt, dass man mit seiner Essstörung nicht alleine ist.

Unsere stationäre Therapie im Fachkrankenhaus wird der jeweiligen individuellen Symptomatik und Situation des Betroffenen angepasst. Die Dauer der Therapie richtet sich nach dem Behandlungserfolg und beträgt bis zu 12 Wochen. Der wichtigste Baustein der Behandlung ist die Psychotherapie. Unser umfassendes und integratives Behandlungskonzept kombiniert bewährte Methoden aus der Einzel-, Gruppen- und Spezialtherapie. Zusätzlich hilft eine Ernährungstherapie, um über gesunde Lebensmittel zu informieren und normales Essverhalten zu trainieren. Unterstützend wirken Bewegungstherapie und Methoden zur Entspannung. Die einzelnen Therapieformen werden dabei individuell auf die Bedürfnisse unserer Patienten abgestimmt, um den bestmöglichen Therapieerfolg zu gewährleisten. Das Ziel ist es, ein gesundes Essverhalten zu erlernen und dauerhaft beizubehalten. Daher werden die Betroffenen stets von einem geschulten Ernährungsberater*innen betreut, der als Ansprechpartner zur Verfügung steht und auch an den gemeinsamen Essen teilnimmt.

 

Therapiemethoden im Überblick:

Unser Behandlungsteam ist multiprofessionell und setzt sich aus Ärzten, Psychologen, Sporttherapeuten, Ergotherapeuten, Mitarbeitern des Sozialdienstes und Ernährungsberatern zusammen. Zu unseren Therapiemethoden zählen unter anderem:

  • Intensive psychotherapeutische Einzel- und Gruppenbehandlung
  • Ärztliche Betreuung
  • Begleitetes Essen
  • Psychoedukatives Training
  • Ergotherapie
  • Körpererfahrung
  • Entspannungstechniken
  • Bewegungstherapie
  • Ernährungstherapie
  • Kunsttherapie/ Körperbildarbeit
  • Sporttherapie (individuell)
  • Einbeziehung des Umfelds der Betroffenen

 

Meist leidet auch das Umfeld unter dem Krankheitsbild des Betroffenen. Deswegen bieten wir Familien- und Partnergespräche an, wenn der Patient ihm nahestehende Personen in den Heilungsprozess miteinbeziehen möchte. Im Rahmen dieser Gespräche werden Fragen der Betroffenen und Angehörigen zum Krankheitsbild geklärt und es wird gemeinsam an Lösungen gearbeitet.

Um langfristige Therapieerfolge sicherzustellen, bleiben wir auch nach dem Aufenthalt unserer Patienten mit ihnen in Kontakt. So unterstützt unser Sozialdienst beispielsweise bei der Kontaktaufnahme für die ambulante Weiterbehandlung oder bei der Suche nach Selbsthilfegruppen in der Nähe des Heimatortes.

Für weitere Fragen rund um die Therapie im Krankenhaus können Sie gerne Kontakt zu uns aufnehmen. Wir stehen Ihnen gerne zur Verfügung.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.