Zwangsstörung

Wie erkenne ich eine Zwangsstörung? Was sind die Symptome?

Es lassen sich Zwangsgedanken (Grübelzwänge) von Zwangshandlungen unterscheiden. Beide Formen können auch gemischt miteinander auftreten. Seltener sind dagegen andere Zwangsformen.

Gedanken, die Sie belasten und die Sie nicht loswerden können, prägen das Bild bei Zwangsgedanken und beeinträchtigen den Alltag erheblich. Selbst wenn sie mitunter als unsinnig oder unnötig erkannt wurden, lassen sie sich nicht durch einen Willensakt aus dem Bewusstsein verdrängen. Im Gegenteil, verschiedenartigste, oft nur gering mit dem Thema verwandte Anlässe reichen aus, um eine neue Gedankenkette entstehen zu lassen.

Unter den Zwangshandlungen gehören Kontrollzwänge und Waschzwänge zu den häufigsten Störungsbildern. Sie können so ausgeprägt sein, dass die eigentlichen Alltagshandlungen stark in den Hintergrund gedrängt werden. Meist haben die Betroffenen schon versucht, die Zwangshandlungen „einfach wegzulassen" und mussten dann erfahren, dass dieser Versuch mit einer unerträglich erscheinenden Angst einhergeht.

Eine Zwangsstörung beeinflusst oft nicht nur das Leben der unmittelbar betroffenen Menschen sondern auch das der Angehörigen oder Freunde. Sie nehmen Rücksicht auf die ritualisierten Zwangshandlungen und werden eingebunden in ein System, das ihnen zunehmend mehr Freiräume beschneidet.

Um eine hilfreiche Behandlung einleiten zu können, sind Therapeuten auf möglichst detaillierte Angaben zur Erkrankung angewiesen. Daher werden Sie viele Fragen gestellt bekommen, die Sie auf einem Fragebogen bitte beantworten sollen. Zwangsgedanken und -impulse haben manchmal aggressive und sexuelle Inhalte zum Gegenstand. Es fällt den Betroffenen oft schwer, schamhaft besetzte Details zu berichten. Bei manchen Fragen werden Sie vielleicht mündliche Ergänzungen machen wollen; das ist möglich und sogar erwünscht.

Voraussetzungen für eine Behandlung

Zur Zusammenarbeit ist vor allem ein grundlegendes Vertrauen, eine von Ihnen ausgehende Behandlungsmotivation erforderlich. Natürlich bedarf es einer gewissen Einsichts- und Selbststeuerungsfähigkeit und der Bereitschaft, sich auf neue Erfahrungen einzulassen. Schließlich soll etwas in Ihrem Leben geändert werden. Da in der Regel eine solche weit reichende Veränderung nicht in wenigen Tagen gelingt und der Fortschritt auch einmal durch Enttäuschungen getrübt sein kann, ist auch etwas Ausdauer und Hartnäckigkeit nötig, zwei Fertigkeiten, die Sie in im Rahmen Ihrer Störung vielleicht schon im Übermaß entwickelt haben.

Therapieziele

Zusammen mit Ihrem Therapeuten werden Sie sehr konkret festlegen, weiche Ziele Sie während Ihres Aufenthaltes verfolgen wollen. Dies ist abhängig von Ihrer ganz persönlichen Situation, dem Ausmaß der Zwangssymptomatik und anderen Einflussgrößen. Typischerweise wird in einem ersten Behandlungsprozess eine verringerte Häufigkeit der störenden Symptome angestrebt. Die dadurch frei werdende Zeit und Energie kann genutzt werden, um sich bislang „zwangsläufig" vernachlässigte Lebensbereichen zu widmen. Sie können in Bereichen liegen wie Entscheidungsfähigkeit, Eigeninitiative, Spontanität, Kreativität, körperlich-sinnliche Ausdrucks- und Genussfähigkeit, Ertragen von Widersprüchen und Gegensätzen, Zulassen eigener Fehler und Misserfolge und anderen.

Therapiemaßnahmen

Zusammen mit Ihrem Arzt und Therapeuten erstellen Sie ein Therapieprogramm aus folgenden Elementen zusammen:

  • Einzelpsychotherapie
  • Tiefenpsychologisch fundierte Gruppentherapie
  • Verhaltenstherapeutische Gruppe mit Expositionstraining (Reiz-Reaktionsverhinderung)
  • Aggressionsgruppe
  • Körper-, Kunst-, Rhytmustherapie
  • Entspannung (Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation)
  • Bewegungsbad
  • Sport und Gymnastik
    usw..

Zu einer gelungenen Behandlung gehört in jedem Fall eine ausreichende Information über das Störungsbild. Zusätzlich sollten Sie auch die Möglichkeit nutzen nachzufragen, wenn Ihnen Zusammenhänge nicht erkennbar sind oder Ihnen bestimmte Aspekte Ihrer Erkrankung unklar erscheinen. Sie sollten zum Experten Ihrer eigenen Situation werden, denn nur Sie können jeweils im richtigen Moment das tun, was Sie weiterbringt und Ihnen ein beschwerdefreies Leben ermöglicht. Um Sie darin zu unterstützen, werden mit Ihnen Vereinbarungen getroffen, die das Protokollieren von Verhalten und das Ausprobieren neuer, mit Ihnen zuvor besprochener und geübter Verhaltensweisen beinhalten. Dazu gehört auch, dass Sie sich mitunter unangenehmen Situationen stellen und es aushalten zu erleben, wie das Unangenehme einer Situation allmählich verschwindet (Expositionsbehandlung). In besonders gelagerten Fällen kann es sein, dass Ihr Therapeut dafür eine Unterstützung in Form einer Einzelbetreuung für die Übungen vorsieht. Es ist auch möglich, dass die Behandlung durch Medikamente unterstützt wird.

Behandlungsdauer

Die übliche Behandlungsdauer beträgt 6 bis 8 Wochen. In dieser Zeit ist es oft nur möglich, Teilziele zu erreichen, die in einer ambulanten Nachbehandlungsphase gefestigt werden müssen.

Unterstützung bei der Nachsorge

Nach dem stationären Aufenthalt unterstützen wir Sie bei den Übergang ins häusliche Umfeld und bei der Vorbeugung von Rückfällen mit folgenden Maßnahmen:

a) ambulante Maßnahmen und Nachbetreuung

Wir helfen ihnen schon während des Aufenthaltes bei der Suche nach einem geeigneten Therapeuten. Bis zu 2 Monate nach dem Aufenthalt können sie telefonische Gespräche mit dem hier behandelnden Therapeuten in dafür vorgesehenen Sprechzeiten in Anspruch nehmen.

b) Hilfe bei sozialen Angelegenheiten

Der Sozialdienst vermittelt Ihnen während des Aufenthaltes wichtige Adressen z. B. von Beratungsstellen, Tipps für berufliche Rehabilitation, Selbsthilfegruppen usw..

c) Ehemaligen-Arbeit

Telefonische Sprechzeit wöchentlich, Anfragen per Mail und Internet Forum

Behandlungsergebnisse

In der Regel dürfte es bereits während der Behandlung zu eine Entspannung der Situation kommen. Wenn auch der Zwang nicht vollständig verschwindet, können die Patienten damit besser umgehen und sind meistens wieder in der Lage am Leben teilzunehmen.

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