Posttraumatische Belastungsstörung

Wie erkenne ich eine Posttraumatische Belastungsstörung? Was sind die Symptome?

Die Posttraumatische Belastungsstörung (Abk.: PTBS; engl.: Post-traumatic Stress Disorder, Abk.: PTSD) entsteht „als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde“. Es werden unterschiedliche psychische und psychosomatische Symptome zusammengefasst, die als Langzeitfolgen eines Traumas oder mehrerer Traumata auftreten können. Schwere, Zeitpunkt und Dauer der zugrundeliegenden Traumatisierung haben dabei Auswirkungen auf das Ausmaß und den Grad der Manifestation der Störungen. Durch eine frühzeitige psychotherapeutische Intervention kann der Entwicklung einer PTBS entgegengewirkt werden.
Besonders schwere Formen von PTBS sind etwa das so genannte KZ-Syndrom bei Überlebenden des Holocaust oder des sowjetischen Gulag-Systems und das speziell im englischen Sprachraum bekannte Post Vietnam Syndrome (PVS). Zur Zeit des Ersten Weltkriegs sprach man von der „bomb-shell disease”, in Deutschland wurden PTBS-Patienten damals als „Kriegszitterer” bezeichnet. In jüngster Zeit wurden weitere Unterformen der PTBS postuliert. Dazu gehört etwa das Post Cult Syndrome, das bei Leuten auftritt, die einen sektenähnlichen religiösen Kult verlassen haben. Auch das Adopted Child Syndrome wird inzwischen von einigen Wissenschaftlern als Unterform der PTBS betrachtet.
Weitere Synonyme für „Posttraumatische Belastungsstörung”: Posttraumatische Belastungserkrankung, Posttraumatisches Belastungssyndrom, Psychotraumatische Belastungsstörung.
Im Unterschied zur akuten Belastungsreaktion (Dauer der Symptome bis zu einem Monat) spricht man von PTBS ab einer Dauer von einem Monat. Ab einer Dauer von 3 Monaten ist von einer Chronifizierung der PTBS auszugehen.

Ursachen

Traumatische Erlebnisse

Die Posttraumatische Belastungsstörung wird ursächlich durch ein traumatisches Erlebnis oder mehrere traumatische Erlebnisse ausgelöst. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Kriegserfahrungen
  • sexueller Missbrauch oder Gewalterfahrungen in der Kindheit
  • Terroristische Anschläge
  • Vergewaltigung
  • schwere Verkehrsunfälle
  • Naturkatastrophen
  • Todesfälle in näherem Umfeld
  •  

Das traumatisierende Ereignis geht meist mit Todesangst, Entsetzen oder Gefühlen von Hilflosigkeit einher.
Eine Posttraumatische Belastungsstörung entsteht weder aufgrund einer erhöhten psychischen Labilität, noch ist sie Ausdruck einer (psychischen) Erkrankung – auch psychisch gesunde und gefestigte Menschen können eine PTBS entwickeln. Es gibt jedoch bestimmte Risikofaktoren, die es wahrscheinlicher machen, dass eine Person das Vollbild der PTBS entwickelt.
Die PTBS stellt einen Versuch des Organismus dar, eine mögliche Existenzbedrohung zu überstehen. Daher handelt es sich ursächlich nicht um eine Störung (Fehlfunktion), sondern um eine gesunde und zweckdienliche Reaktion. So konnten Neurowissenschaftler der Universität Utrecht zeigen, dass PTBS-Patienten ungewöhnlich schwach auf physischen Schmerz reagieren. Die ebenfalls geläufige Bezeichnung „Posttraumatische Belastungsreaktion” weist auf diese Unterscheidung hin, gleichzeitig verdeutlicht sie in ihrer begrifflichen Anlehnung den Unterschied zur so genannten Akuten Belastungsreaktion, welche als eine kurzfristige, auf die Überlebenssicherung abzielende Reaktion auftreten kann und nicht wie die PTBS zu einer nachhaltigen Beeinträchtigung führt.

Symptome sind wiederholtes Erleben in schlimmen Erinnerungen, die sich aufdrängen (Flash back), in Träumen; andauerndes Gefühl von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit, Gleichgültigkeit, Freudlosigkeit; Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die an das Trauma erinnern könnten. Schreckhaftigkeit, Schlafstörung, vegetative Übererregung mit gesteigerter Reaktionsbereitschaft, vermischt mit Angst, Depression, Gedanken an Selbsttötung, Einnahme von Drogen oder zuviel Alkohol - all dies kann zu dem Bild einer PTBS gehören.
Die Krankheit entwickelt sich mit Verzögerung, meist Wochen bis Monate nach dem traumatischen Ereignis, in der Regel spätestens nach 6 Monaten.
Andererseits kann eine PTBS auch vorliegen, wenn das Trauma länger zurücklag, z.B. sexuelle Gewalt in der Kindheit, bei Schmerzsyndromen, die auf keine Behandlung ansprechen, bei schweren Persönlichkeitsstörungen.

Weitere Symptome

“Speechless Terror”
 
Trauma-Überlebende berichten immer wieder von „speechless terror“ (sprachlosem Entsetzen), das sie überkommt, wenn sie sich an das Trauma zurück erinnern. Sie sind oft nicht fähig auszudrücken, wie sie über die Ereignisse fühlen oder denken, und unfähig, das Trauma mit Worten zu beschreiben. Es entstehen Gefühle der Hilflosigkeit, des Ausgeliefertsein und der Sinnlosigkeit.

Nach Abraham Maslow gehört das Bedürfnis nach Sicherheit zu den menschlichen Grundbedürfnissen. Menschen ziehen eine sichere, berechenbare, kontrollierbare Umgebung einer Umgebung vor, die gefahrvoll, unkontrollierbar und wenig berechenbar ist. Normalerweise lernt der Mensch im Laufe seiner Kindheit und Jugend, dass seine Bedürfnisse nach Sicherheit und Schutz vor Gefahren befriedigt werden - eine Ausnahme bilden hier Kinder die von ihren Eltern vernachlässigt, misshandelt oder missbraucht wurden, Kinder die im Krieg aufwachsen und Kinder in ähnlichen Ausnahmesituationen. Ein Mensch, dessen Sicherheitsbedürfnisse befriedigt wurden, kommt zu folgenden Grundüberzeugungen:

  • Die Welt ist ein sicherer Platz, die meisten Leute sind wohlmeinend
  • Die Dinge, die auf der Welt passieren, passieren aus bestimmten Gründen. Das menschliche Leben hat eine Bedeutung
  • Guten Leuten werden gute Dinge passieren

Nach einem Trauma scheinen diese Grundüberzeugungen oft in Frage zu stehen. Die Welt erscheint nun feindselig, unberechenbar und chaotisch. Die Überzeugung, dass die Welt verlässlich ist und das Leben einen Sinn hat, geht verloren.

Symptome können sowohl direkt nach Erleben des Traumas, aber auch mit Verzögerung von vielen Jahren oder Jahrzehnten auftreten.

Allgemeine Symptome

Teilamnesie
Depressionen
Dissoziative Störungen
Persönlichkeitsveränderungen
Bindungsstörungen
Suchtverhalten
Aggressive Verhaltensmuster
Selbstverletzendes Verhalten
Suizidversuche
sexuelle Probleme (bei Opfern sexuellen Missbrauchs)

Voraussetzungen für eine Behandlung

Grundlegendes Vertrauen, Motivation zur Behandlung aus eigenen Beweggründen, aktive kooperative Zusammenarbeit mit dem therapeutischen Team. Natürlich muss auch Aussicht auf Therapieerfolg bei Ihnen bestehen (in der Mehrzahl der Fälle kann mit einer Heilung oder zumindest einer Besserung gerechnet werden).

Therapieziele

Vorrangiges Ziel ist es, das traumatische Erleben zu bewältigen und so zu integrieren, dass wieder Lebensfreude und Lebensenergie zurück gewonnen werden. Eine Stabilisierung auch im körperlichen Bereich kann nötig sein. Dann folgt die berufliche Rehabilitation, wo dies nötig ist.
Generell ist unser Bestreben, Ihnen dabei zu helfen, wieder Kontakt zu Ihrem wahren Selbst und damit zu Ihren Selbstheilungskräften zu finden.

Therapiemaßnahmen

Zusammen mit Ihrem Arzt und Therapeuten stellen Sie neben der Gruppentherapie, der Trauma-Indikationsgruppe und der Transfergruppe (in der Abschiedsphase) ein Behandlungsprogramm aus folgenden Elementen zusammen:

  • Einzeltherapie
  • Gruppentherapie
  • Trauma-Gruppe
  • Stabilisierungsverfahren im Einzelkontakt
  • eventuell EMDR
  • nach ausreichender Stabilisierung Konfrontation mit dem auslösenden Trauma
  • strukturbildende Bewegung
  • Körper-, Kunst- oder Rhytmustherapie
  • Stressbewältigungs- und Stabilisierungsgruppe
  • Erlebnistherapie
  •  

Bei entsprechender Indikation kommen weitere Maßnahmen hinzu:

  • Einbeziehung der Angehörigen
  • Möglichkeiten, das Opferentschädigungsgesetz zu nutzen
  • Meditation
  • Rückenschule

usw.

Medikamente können besonders bei Depressionen, Angst sowie starker emotionaler lnstabilität das Leiden erheblich lindern.

Behandlungsdauer

Die Behandlungsdauer betragt im allgemeinen 6 Wochen; bei außergewöhnlich hohem Schweregrad können Sie mit einer längeren Behandlungsdauer rechnen.

Unterstützung bei der Nachsorge

Nach dem stationären Aufenthalt unterstützen wir Sie bei den Übergang ins häusliche Umfeld und bei der Vorbeugung von Rückfällen mit folgenden Maßnahmen:
a) ambulante Maßnahmen und Nachbetreeung
Wir helfen ihnen schon während des Aufenthaltes bei der Suche nach einem geeigneten Therapeuten. Bis zu 2 Monate nach dem Aufenthalt können sie telefonische Gespräche mit dem hier behandelnden Therapeuten in dafür vorgesehenen Sprechzeiten in Anspruch nehmen.
b) Hilfe bei sozialen Angelegenheiten
Der Sozialdienst vermittelt Ihnen während des Aufenthaltes wichtige Adressen z. B. von Beratungsstellen, Tipps für berufliche Rehabilitation, Selbsthilfegruppen usw..
c) Ehemaligen-Arbeit
Telefonische Sprechzeit wöchentlich, Anfragen per Mail und Internet Forum

 

Behandlungsergebnisse

Es kann durchaus eine Stabilisierung erreicht werden. Bei günstigem Verlauf kann sogar zu einer besseren Integration kommen was sich positiv auf die Lebensgestaltung nach der Therapie auswirken kann.
 

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