Lehrerinnen und Lehrer
Lehrerinnen und Lehrer sind häufig starken Belastungen ausgesetzt. Sie tragen Verantwortung für andere Menschen, stehen im Spannungsfeld vielfältiger Interessen und haben verschiedenartige Anforderungen zu bewältigen. Die Anerkennung für dieses Engagement bleibt häufig aus. Zwischen persönlichen Ansprüchen, Zielen und der schulischen Realität, machen sich beim Einzelnen Diskrepanzen bemerkbar. Dabei besteht eine besondere Gefahr, sich zu erschöpfen, zu überfordern, "auszubrennen" und psychische und psychosomatische Symptome zu entwickeln
Dramatische Zahlen weisen auf die besorgniserregenden Folgen gesundheitlicher Beeinträchtigungen der Lehrer hin:
- Bis zu 93 % der Lehrerinnen und Lehrer wurden in den letzten Jahren wegen Dienstunfähigkeit frühzeitig pensioniert. (lt. Stat. Bundesamt)
- Der Anteil von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen bei Frühpensionierungen beträgt in Bayern 45 % (nach einer Studie von Weber et al.)
- häufige Unterrichtsausfälle wegen Krankheit
- immense volkswirtschaftliche Kosten wegen vorzeitiger Pensionierungen
- die Menschen, die sich enthusiastisch und mit großem Idealismus der Ausbildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen widmen wollen, ziehen sich überlastet, enttäuscht oder krank aus ihrem "Traumberuf" zurück.
Es wird allgemein beklagt: Zu spät und zu selten erhalten Betroffene eine psychosomatische Behandlung oder Rehabilitation.
Die Behandlung von Lehrerinnen und Lehrern folgt zunächst den Therapieleitlinien die sich aus der allgemeinen Diagnosestellung von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen (nach ICD 10) ergeben.
Die Schwierigkeiten und Belastungen, die sich speziell aus dem Lehrerberuf ergeben, werden zusätzlich diagnostiziert und behandelt. Wir nutzen dazu berufsspezifische diagnostische Instrumente, Burn-Out Fragebögen und ähnliches.
Die allgemeinen indikationsbezogenen und die berufsspezifischen Therapieleitlinien werden zu einer Gesamtbehandlungsstruktur integriert. Es ergibt sich ein individueller Behandlungsplan für jeden Patienten, der insbesondere die jeweiligen persönlichen Risikomuster berücksichtigt
In der Spezialgruppe Lehreridentität werden kreativtherapeutische Methoden mit psychoedukativen Elementen verbunden, so dass zentrale Themen zur Lehrergesundheit erlebbar werden:
Lehreridentität, z.B.
- Selbstverständnis als Lehrer
- Biographische Wurzeln
- Systemische Aspekte
Kommunikation und Konfliktlösung, z.B.
- Umgang mit schwierigen Schülern
- Kooperation mit Eltern
- Klärung mit Vorgesetzten
- Unterstützung durch Kollegen
Stressbewältigung, z.B.
- Stressmodelle und Belastungsfaktoren
- Stressprävention
- Entspannung und Erholung
Arbeitsentlastung, z.B.
- Arbeitsorganisation
- Zeitmanagement
- Büroausstattung
Neue Wege und Handlungsalternativen können nach entsprechender Wissensvermittlung in Kleingruppen eingeübt werden, damit sie als "Werkzeuge" im Schulalltag eingesetzt und erprobt werden können. Darüber hinaus dient diese Gruppe dem Erfahrungsaustausch und der sozialen Vernetzung der Lehrer mit ähnlicher Problematik, was modellhaft bei der Mobilisierung sozialer Ressourcen hilft.